Heute habe ich endlich, endlich nach Tagen, Wochen und Monaten des Schreibens, des Verwerfens, des Zweifelns, des Löschens, nach endlosen unbefriedigenden Stunden am Computer die Tür in meine neue Geschichte öffnen können. Ich kenne diesen schwierigen Akt der Anfangsfindung mittlerweile, denn immerhin arbeite ich schon an meinem neunten Buch, aber es ist immer wieder demoralisierend und niederschmetternd, wenn man voller Euphorie glaubt "Das ist es!", nur um am nächsten Tag festzustellen, dass es das nicht ist. Ganz schlimm war es bei Schneewittchen, da dauerte es wirklich über ein halbes Jahr, bis ich die Tür zur Geschichte gefunden habe und eintreten durfte.
Ich kann nicht einfach nur rational an ein neues Manuskript herangehen. Wenn ich es versuche, scheitere ich unweigerlich. Ich kann mir noch so viele Notizen, Tabellen und Post-its schreiben, an Wände kleben und versuchen, die Geschichte nüchtern und technisch aufzubauen - es geht nicht. Das Ergebnis ist seelenlos und langweilig und höchst unbefriedigend für mich selbst. Auch, wenn ich mir in dieser Phase immer denke: Ganz ruhig, Nele! Es wird schon, es kommt schon, irgendwie, eines Tages, so kann ich trotzdem nicht ruhig bleiben. Vielleicht sind es die vielen, vielen Seiten, die ich schreibe und verwerfe, zerreisse und verfluche, die mich dann doch auf den richtigen Weg bringen. Es kommt keine göttliche Erleuchtung! Aller Anfang ist knochenhart und wer glaubt, dass es am schwierigsten ist, eine Idee für einen neuen Plot zu bekommen, der irrt. Das Schwerste ist dann die Arbeit, aus der Idee die Geschichte zu machen. Man kann wochenlang drumherum laufen, wenn man den Eingang nicht findet, ist alles vergeblich.
Ich habe ihn heute gefunden! Und bin deshalb GLÜCKLICH!!! Ich habe heute NICHT bei amazon reingeschaut, nicht herumgegoogelt und gesurft und es kamen auch keine E-Mails, denn heute ist Sonntag. Und Sonntag ist der beste Arbeitstag für mich.
Jetzt geht es also richtig los. Ich freue mich. Jetzt macht es wieder Spaß, ein Buch zu schreiben.